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Geschäftsgeheimnis

im Scheinwerferlicht





















eine ökonomische Annäherung

















Als ich neulich im Zug sass, wurde ich zufällig zur Mitwisserin eines Geheimnisses.



Eine Gruppe Jungs plante, was sie im kommenden Schullager alles anstellen wollten. Dabei war ihnen eines besonders wichtig: Niemand durfte etwas verraten.

Der eine schwieg, weil es seine Idee war. Der andere hielt dicht, weil er sich sonst selbst verraten hätte. Und ein dritter versprach Stillschweigen, weil er das nötige Material beigesteuert hatte.









Wenn alles so läuft wie meistens bei Geheimnissen unter Kindern...





... dann hat am Ende mindestens einer geplaudert.









Kapitel 1

Weshalb haben Unternehmen Geschäftsgeheimnisse?







Das Beispiel zeigt, wie schnell ein Geheimnis keines mehr ist. Hier ist das noch harmlos. Für Unternehmen jedoch kann der Verlust eines Geschäftsgeheimnisses schwerwiegende Folgen haben, etwa wenn sie einen wichtigen Wettbewerbsvorteil verlieren.

Trotzdem setzen viele Unternehmen auf Geschäftsgeheimnisse, beispielsweise bei Herstellungsverfahren, Rezepten oder Quellcodes. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Unbegrenzte Schutzdauer: Geschäftsgeheimnisse haben kein Ablaufdatum. Solange die Information vertraulich bleibt, kann sie theoretisch dauerhaft geschützt werden. Das im Gegensatz zu Patenten, die zeitlich befristet sind.
  • Schutz nicht patentierbarer Erfindungen: Manche Erfindungen sind nicht patentierbar, etwa weil sie bestehende Erfindungen nur geringfügig verändern. Geschäftsgeheimnisse bieten hier eine alternative Schutzmöglichkeit.
  • Keine Offenlegung: Im Gegensatz zu Patenten müssen bei Geschäftsgeheimnissen keine Informationen veröffentlicht werden, die eine Nachahmung ermöglichen könnten.
  • Geeignet bei schwer imitierbaren Erfindungen: Wenn eine Innovation technisch schwer zu entschlüsseln oder aufwendig zu reproduzieren ist („reverse engineering“), lohnt sich der Schutz über Geheimhaltung besonders.

Als Geschäftsgeheimnisse gelten gemeinhin vertrauliche Informationen, die einen wirtschaftlichen Wert haben. Aus juristischer Sicht ist unter anderem relevant, dass das Unternehmen ein berechtigtes Geheimhaltungsinteresse sowie einen Geheimhaltungswillen hat und Massnahmen zum Schutz der Informationen ergreift, etwa durch organisatorische Vorkehrungen.

Kapitel 2

Die Bedeutung von Geschäftsgeheimnissen in Zahlen







Ich bin damit einverstanden, dass mir Diagramme von Datawrapper angezeigt werden.

Grafik 1: Umfrageteilnehmende in einer Studie aus Singapur geben an, dass Geschäftsgeheimnisse für Ihre Organisation wichtig sind.



Studien zeigen, dass Geschäftsgeheimnisse ein oft genutztes Schutzinstrument von innovativen Unternehmen sind.

In einer Umfrage aus Singapur im Jahr 2021 nannten 75% der Teilnehmenden Geschäftsgeheimnisse als wichtigstes geistiges Eigentumsrecht für ihr Unternehmen. Patente wurden ebenfalls als wichtig angesehen, landeten aber erst auf dem vierten Rang (Grafik 1).

In einer Studie aus dem Jahr 2017 geben fast die Hälfte der Befragten Unternehmen an, dass Geschäftsgeheimnisse wichtiger sind als Patente und Marken. Sogar gut zwei Drittel der befragten Unternehmen geben an, dass die Bedeutung in Zukunft, auch aufgrund der technologischen Entwicklungen, noch zunimmt.

Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigt, dass rund 80% der Unternehmen, die patentierbare Erfindungen hervorbringen könnten, keine Patentanmeldungen machen. Aber mehr als 90% der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten werden in Unternehmen mit mindestens einer Patentanmeldung getätigt.







Kapitel 3

Die Kosten von Geschäftsgeheimnissen











Zitat 1: Ergebnis aus einer Studie durchgeführt vom Intellectual Property Office of Singapore, 2021.

Damit geheime Prozesse, Rezepte oder Daten nicht an Mitwettbewerber gelangen, braucht es Massnahmen zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen. Solche werden denn auch von vielen Unternehmen ergriffen (Zitat 1).

Schutzmassnahmen zu treffen, ist empfehlenswert. Denn eine Studie aus dem Jahr 2014 kalkuliert, dass durch die widerrechtliche Nutzung von Geschäftsgeheimnissen jährlich ein Schaden von bis zu 3% des BIP entsteht. Gerechnet auf die Schweiz sind das ca. 23 Milliarden Schweizer Franken.

Solche Schutzmassnahmen, beispielsweise IT-Sicherheit, Prozessanpassungen oder Geheimhaltungsverträge verursachen zwar Kosten, sind aber oft bereits Teil existierender Sicherheitspraktiken. Daher gelten Geschäftsgeheimnisse als eher kostengünstige Strategie, geistiges Eigentum zu schützen.

Zusätzlich sind Geschäftsgeheimnisse mit indirekten Kosten verbunden. Diese entstehen, weil der Zugang zu Wissen eingeschränkt wird. Das kann sich negativ auf die Unternehmenskultur auswirken und so die Innovationsfähigkeit des Unternehmens hemmen.

Kapitel 4

Sind Geschäftsgeheimnisse gut oder schlecht?







Für Unternehmen lohnt sich der Schutz von geistigem Eigentum durch Geschäftsgeheimnisse, wenn der Gewinn abzüglich der Geheimhaltungskosten höher ist als bei keiner oder einer alternativen Schutzform.

Auf gesellschaftlicher Ebene zeigt sich ein differenzierteres Bild:

  • Anders als bei Patenten erfolgt keine Veröffentlichung, auf deren Grundlage andere weiterforschen oder neue Lösungen entwickeln könnten.
  • Wird die Mobilität von Fachkräften durch Vertraulichkeitsvereinbarungen eingeschränkt, kann dies den Austausch und die Entstehung neuer Ideen hemmen.
  • Weitere negative Effekte entstehen, wenn Unternehmen Erkenntnisse über gescheiterte Entwicklungen geheim halten. Dann investieren andere möglicherweise Ressourcen in bereits als erfolglos bekannte Ansätze. Was zu einer ineffizienten Ressourcennutzung aus gesamtwirtschaftlicher Sicht führt.

Trotz der Einschränkungen für das Innovationsökosystem bieten Geschäftsgeheimnisse Unternehmen eine wirksame Möglichkeit, ihre Innovationen zu schützen. Innovative Akteure sollten daher die Chancen und Risiken dieses Schutzinstruments kennen und es, wenn sinnvoll in ihre Schutzstrategie einbeziehen.